25 Jahre Armenspeisung in Deutschland – Staatsversagen trotz Milliardenüberschuss

Mehr als 930 Einrichtungen versorgen in Deutschland in über 2100 Ausgabestellen mehr als 1,5 Millionen Menschen mit dem Lebensnotwendigen. [1] Auch 350.000 Rentner stehen regelmäßig für eine warme Mahlzeit in der Kälte an. Die jüngsten Ereignisse um die Essener-Tafel, zeigen wie brisant die Notlage vieler Menschen in deutschen Städten geworden ist.

Die Hilfsorganisation sah sich jüngst nicht in der Lage für Flüchtlinge und Einheimische ausreichend Hilfsgüter bereitstellen zu können. Zusätzlich gab es Drängeleien und Verteilungskonflikte weswegen aktuell nur noch Personen mit deutschem Pass in der Essener-Tafel versorgt wurden. Diese Entscheidung der Tafel stieß medial und politisch auf große Kritik. Das eigentliche Problem blieb jedoch weitestgehend undiskutiert.

Wer wäre denn zuständig die Armen – und zwar alle – davor zu bewahren Hunger zu haben? Eigentlich doch der Staat, oder?“ Fragte deshalb der Moderator der Sendung Quer des Bayerischen Rundfunks Christoph Süß rhetorisch. Angela Merkels Äußerung zu diesem Problem „[…] Es zeigt auch den Druck, den es gibt und wie viele Menschen dieses Bedürfnis verspüren und deshalb hoffe ich, dass man da auch gute Lösungen findet, die nicht Gruppen ausschließen. […]“ [2] Merkel sieht also nicht sich oder die Politik in der Verantwortung sondern „man“, also irgendwer soll das Problem lösen.

Anstatt also selbst Hilfsgelder bereit zu stellen, faire Renten und Sozialleistungen zu bieten oder staatlich einzugreifen sollen wieder Ehrenamt und andere private Organisationen diese staatliche Aufgabe lösen. Der Staat hatte 2017 ganze 18 Milliarden Euro Überschuss [3] eingenommen, anstatt jedoch der staatlichen Aufgabe der materiellen Daseinsfürsorge nachzukommen, wird weiterhin in Rüstungs- und Prestigeprojekte investiert und so der soziale Konflikte der ärmeren Bevölkerung weiter verschäft.

Quellen:

[1] 25 Jahre Armenspeisung in Deutschland – Das Geschäft mit den Tafeln
https://deutsch.rt.com/inland/65536-25-jahre-armenspeisung-geschaft-tafeln/

[2] quer mit Christoph Süß – Essener-Tafel (14:45)

[3] Staat macht 18 Milliarden Überschuss
https://www.br.de/nachrichten/rekord-ueberschuss-staat-100.html

Bildquelle: Bayerischer Rundfunk

Die Straßen von London
Mit seiner sozialkritischen Darstellung einer Armenspeisung auf Londons Straßen wollte der englische Maler William Rose zwischen 1860 und 1870 über den Kunstgenuss wohl das soziale Gewissen der Satten ansprechen.

4 Gedanken zu „25 Jahre Armenspeisung in Deutschland – Staatsversagen trotz Milliardenüberschuss

  • Panthera
    2. März 2018 um 14:44
    Permalink

    Irgendjemand meint also, irgendwann sollte mal irgendeiner irgendwas unternehmen.
    Dazu gibt es eine kleine Geschichte:

    Eine kleine Geschichte über vier Kollegen

    Dies ist eine kleine Geschichte über 4 Kollegen mit den Namen: Jeder, Jemand, Irgendjemand und Niemand.

    Es ging darum, eine wichtige Arbeit zu erledigen und Jeder war sicher, dass sich Jemand darum kümmert. Irgendjemand hätte es tun können, aber Niemand tat es.

    Jemand wurde wütend, weil es Jeder’s Arbeit war. Jeder dachte, Irgendjemand könnte es machen, aber Niemand wusste, dass Jeder es nicht tun würde.

    Schließlich beschuldigte Jeder Jemand, weil Niemand tat, was Irgendjemand hätte tun können.

    Autor unbekannt

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  • Netti
    2. März 2018 um 14:46
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    Jap, Danke für die Info, wäre mir glatt entgangen! Panhera, ist was dran an deiner Geschichte …
    Was mir dazu einfällt ist, anstatt daran endlich mal was zu ändern und lebenswerte Verhältnisse für alle Menschen im Land zu schaffen, die Rüstungsausgaben aber lieber künftig jedes Jahr um 30 Milliarden € verdoppelt werden sollen, denn der Russe ist ja wieder einmal eine Weltgefahr laut unseren Medien. Ergo -Panzer gegen Armut…Bomben statt Essen…Abenteuer der Bundeswehr in Afghanistan, Syrien, Mali, Somalia, Irak…Die Tafelgänger danken der CDU, CSU, SPD, Grüne, FDP und AfD. Und der Russe wird wieder erst kommen wenn wir ihn angegriffen haben… Aber er ist immer gut als Alibi um sich weiterhin aus der staatspolitischen Verantwortung der eigenen Bevölkerung gegenüber stehlen zu können.

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  • 3. März 2018 um 10:04
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    Ich möchte meinen Kommie, den ich gestern bei Anett Annett Schönherr gepostet habe, hier wiederholen. Susanne Steinriede:…und alle wundern sich, dass es einen Kampf ums Essen gibt :-O Klar, bekommt die Oma nichts, wenn junge, starke Migranten auch anstehen und Hunger haben (meist neue Flüchtlinge, die im Übergang sind – also auf Geld warten). So war es vor dem sog. Sozialstaat – so ist es in der Tierwelt. Schade nur, dass dies jetzt wieder in unserer Zivilisation geschieht. Die Kranken und Alten werden weiter aufgehetzt, Hass wird geschürt. Das ist doch in der heutigen Zeit vermeidbar. Wenn man schon die 100 Millionen Frage, wieso es Tafeln geben muss, nicht beantwortet, warum kann man sie nicht einfach bewachen lassen, damit die Verteilung gerecht zugeht? Vom Staat bezahlte, kräftige Jungs, mit einwandfreiem Leumund ohne Afd und sonstigem Braun-Background, der die Schwachen schützt?

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  • lausebengel
    3. März 2018 um 17:50
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    Susanne, also ich finde den Gedanken von Christoph Süß schon o.k. Bei dem Gedanken mit den “ kräftigen Jungs “ spielt auch eine Rolle wer diese Jungs wie bezahlen soll. Und die “ schwarze Null „….. Es könnte ja sein das es 1 – Euro – Jobs werden…

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