Buch von Professor Andreas Fisahn: „Eine Demokratie, in der es keine Alternativen gibt, ist überflüssig“

Heute in den Nachdenkseiten: Jens Berger im Gespräch mit Andreas Fiesahn, dem Autor des Buches „Hinter verschlossenen Türen: Halbierte Demokratie?“

„Eine Demokratie, in der es keine Alternativen gibt, ist überflüssig“
So lautet die Überschrift des Beitrags. Überflüssig, ein starkes Wort. Das Resumée ist da schon erheblich zurückhaltender, dazu der Ausschnitt:
„Wir können nicht auf alle Punkte eingehen, über die Sie in Ihrem Buch sprechen, aber mal zusammengefasst: Wenn Sie all das, was Sie an „Problemzonen“ zusammengetragen haben, sich vor Augen führen, würden Sie sagen, dass unsere Demokratie angeschlagen ist?
Ja so könnte man das zusammenfassen. Die Demokratie hat an Substanz verloren.“  http://www.nachdenkseiten.de/?p=38138

Mehr als bedauerlich diese Selbstkastration: An Substanz verloren? Aha! Denn das, was der Autor allein zu den schon mehr als zurückhaltenden Fragen so von sich gibt, ist fast ausnahmslos eine treffende Anamnese über eine dahinsiechende Schein-Demokratie, besser noch: Scheintoten. Eine Anamnese ist die Grundlage für das Erstellen einer Diagnose, einer Diagnose die meist auch eine Prognose enthalten, schlussendlich auch zu einem Therapievorschlag führen sollte. Nun, ich habe nur das Interview gelesen, nicht das Buch. Autor Fiesahn ist Professor der Jurisprudenz und nicht Mediziner. Dennoch liefert er eine Diagnose, die der zu einem Krebspatienten im Endstadium durchaus ähnelt. Da gibt es nämlich auch nichts mehr zu prognostizieren, nicht mal mehr die restliche Verweildauer. Da ist dann einfach nur austherapiert, völlig unwichtig, was den baldigen Exitus bewirken wird und muss: die Muttergeschwulst, die längst zur Konkurrenz gewordene Körperflutung durch Organ-Metastasen, die weniger positiven, aber doch durchschlagenden Folgen von Chemo- und Strahlentherapien oder doch die bis zum Anschlag hochgedimmte Palliativbehandlung, die alleinseligmachende Gnade.
Schade, dass unser „Patient“ keine Patientenverfügung vorweisen kann, um wenigstens den terminalen Prozess etwas zu verkürzen. So ist abzusehen, dass man uns seine entseelte Hülle – an Schläuchen und Piepsern angeschlossen – uns mitleidenden Angehörigen weiterhin als kraftstrotzenden Zehnkämpfer verkaufen wird. Ist er schließlich auch, jener Patient, der der „Gesundheitsindustrie“ in die Hände gefallen ist, ebenso, wie unsere einzig und allein zur globalen Marktversorgung am Leben gehaltene Gesellschaft. Ausgebeutet, ausgequetscht bis zum ultimo werden beide. In aller Hinterträchtigkeit wird beiden auch noch eingeredet, es sei alles zu unserem Besten, pro bono eben und keinesfalls selbstverständlich dargereicht. Dummes Geschwätz? Schon mal überlegt, weshalb es hierzulande keinesfalls ein Exit oder ein Dignitas geben darf? Aus ethischen Gründen oder doch aus dem Grund, dass das „Material“ dann nicht mehr den Märkten als Rohstoff zur Verfügung stehen kann, was natürlich gar nicht geht. Nur einmal dem Herrn Kauder ins Gesicht schauen, wenn er mal wieder seinem Entsetzen über den Freitod Ausdruck zu verleihen müssen glaubt….
Also jene die das Thema interessieren sollte unbedingt lesen:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=38138#more-38138
Demokratie, sanft entschlafen? Mitnichten! EU? Sowas wie Transsylvanien, zum Biss freigegeben….

Ein Gedanke zu „Buch von Professor Andreas Fisahn: „Eine Demokratie, in der es keine Alternativen gibt, ist überflüssig“

  • Pragmatiker
    4. Mai 2017 um 21:39
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    Eines der vielen interessanten Bücher / Schriften der letzten Zeit – anscheinend machen sich viele Menschen Gedanken um die Demokratie und vor allem was aus ihr geworden ist. Nur die Politik scheint sich damit relativ wenig zu beschäftigen – diese Lücke nutzt die AfD und versucht provokativ die Demokratie neu zu erfinden und drückt ihren eigenen Stempel drauf. Welche Gefahr dahinter liegt brauche ich ja wohl kaum einem zu erklären.

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