DOKU Teil 1+ 2: 10.000 Kilometer Russland – Unterwegs im wilden Osten

Vorweg, ich habe vor 10 Jahren die Doku gesehen und da nun kamen ja die gleichen Bürger wieder zu Wort und musste feststellen, dass die erste Dokumentation von ihrer Darstellung wesentlich objektiver  war.

https://www.zdf.de/dokumentation/10000-kilometer-russland-teil-1-100.html

https://www.zdf.de/dokumentation/10000-kilometer-russland-teil2-100.html

Man bemerkt sofort an den Fragestellungen auf was die deutschen Reporter aus sind (negative Berichterstattung),  schön zu sehen das dies nicht aufgegangen und somit sich ein objektiver Blick einstellen konnte. Und  worum es Wernicke geht, sagt er selbst ganz offen: „…Vor 10 Jahren sind wir die Strecke schon einmal gereist. Was hat sich verändert? Wie weit reicht der Arm des Kremls heute, im Jahr der Präsidentenwahl und der Fußball-WM?“ Wenn man schon mit dieser Einstellung an eine Doku ran geht und sich damit sogleich jegliche Offenheit und Überraschung (die so etwas nun mal eigentlich immer bereit hält) verschließt muss einen nicht wundern, dass die Ostdeutschen dem Fernsehen nur noch zu 16% vertrauen (Westen: 30%) vertrauen: https://www.stern.de/panorama/umfrage-ostdeutsche-haben-kaum-vertrauen-in-medien-und-kirchen-7806942.html

Sehr Aufschlussreich an dieser Doku, dass der Autor zwar sehr offensichtlich nach kritischem sucht, es aber nicht wirklich findet und das so offensichtlich für den Zuschauer wird. So klingt Wernicke auch ziemlich konstatiert nach der Hälfte seiner Reise :“Egal, wie weit man sich von Moskau wegbewegt, wirklich unzufrieden scheinen die Russen nicht zu sein – zumindest nicht vor einer westlichen Kamera.“ Der suggerierende Hinweis die Russen könnten eventuell Angst haben sich vor einer Kamera offen zu äußern durfte natürlich nicht fehlen und bringt Russland Kenner zum lachen aber schlimm, einige glauben dies sogar. Und sehr bemerkenswert; entgegen der Hoffnungen der Journalisten haben sich doch tatsächlich manche von den wieder befragten Menschen vor zehn Jahren noch kritischer geäußert als jetzt. Am Ende in Wladiwostok wird er doch noch bei einem Paar fündig, welches bekennt im März nicht Putin zu wählen, sondern die nicht näher konkretisierte Opposition – und zerstört damit offensichtlich zugleich sein wiederholt präsentiertes Narrativ vom mittlerweile vor Westkameras meinungsscheuen Russen.

Siehe Ende Teil 2 der Doku, also wenn Kinder schon feststellen das das deutsche Schulsystem schlechter als das russische und das wo sie Jahre lang in Deutschland zu Schule gingen und nicht mehr zurück wollen in dieses dann muss gehörig was falsch sein an unserem Schulsystem und unsere Bildungsminister/in gehörig schämen.

Die unsinnigste Propaganda-Schwachsinnigkeit:

„Wir haben viele Menschen mit verschiedenen Meinungen über das heutige RUS getroffen, über eines waren sie sich aber alle einig: der lange Arm des Kreml ist stets präsent und reicht überall hin sogar bis in den Fernsten Osten Sibiriens“
Was genau haben die sich eigentlich gedacht? Das in Sibirien die russische Regierung nichts zu sagen hat, weil es ja so weit entfernt ist? Nach der selben Logik könnte man ja auch sagen, der lange Arm des Kanzleramtes reicht bis nach ins Letzte Dorf in Bayern.

3 Gedanken zu „DOKU Teil 1+ 2: 10.000 Kilometer Russland – Unterwegs im wilden Osten

  • Netti
    12. Januar 2018 um 14:59
    Permalink

    Also bei ARD und ZDF ist die Erwartungshaltung bezüglich Russland-Berichterstattung ja eigentlich schon unter Wasserhöhe. Gemessen an dieser Erwartungshaltung fand ich diesen Reisebericht aber gar nicht so schlecht. Auf jeden Fall werden in diesem Film Klischees bemüht: Russland=kaltes Land, jung und hübsch=dumm, wie halt solche Russinnen sind(wie kann man dieses Land nur gut finden….) Schöne Bilder, also durchaus eine halbe Tourismuswerbung (wenn man es schön warm haben will, kann man ja in die Türkei fahren))
    Wo sehe ich schlicht handwerkliche Fehler? Also wenn in Minute 1:30 von „Russlands eisiger Trasse“ geredet wird , und damit die Autostrasse meint, dann ist das schlicht falsch. Unter eisiger Trasse versteht man in Russland die Transib, eben die Eisenbahn. Oder verwechselt da der Autor Eis mit Eisenbahn?
    Dieser Alexander würde ich im übrigen nicht als Einzelfigur betrachte, die grundlos rummotzt. Es ist so, dass infolge der Wirtschaftskrise die Löhne gesunken sind (teilweise beträchtlich) und die Leute sich durchschlagen müssen und der Egoismus beklagt wird. Es ist auch so, dass die Freiräume des einzelnen durch einen Staat, der heute stärker zu spüren ist also vor 10 Jahren, eingeschränkt wurde. So sind eben die Zölle für Autos aus Japan und Korea erhöht worden, was Alexanders Business kaputt gemacht hat (die Zölle sind nicht nur aus fiskalischen Gründen erhöht worden, sondern auch aus protektionistischen Gründen – Schutz der eigenen Automobilindustrie). Das Leben sei früher interessanter gewesen, sagt dieser Alexander (Sascha) und verklärt geradezu das Banditenwesen, das früher herrschte. Dieses Banditenwesen ist wesentlich zurückgegangen, eben, ich wiederhole mich, weil der Staat wieder stärker zu spüren ist – ist das schlecht? Oder muss ich annehmen, dass der Autor Chaos und Rechtlosigkeit und das Primat, dass das Recht dem Stärkeren gehört (typische Attribute der Jelzin-Zeit) als gut befindet?
    Der Besuch bei Schamanen zeigt: In Russland herrscht eine lebendige Volkskultur, und die Minderheiten sind nicht an den Rand der Gesellschaft gedrückt worden oder schlicht ausgerottet, so wie im „Land of brave an glory“, sondern Teil der Volksgemeinschaft, in der die Minderheiten selbstverständlich dazugehören und auch geschätzt werden. Wenn man nun erwarten würde, dass dieser Schamane gegen den jetzigen Präsidenten herzieht, so wird man enttäuscht, im Gegenteil, der Schaman ist des Lobes voll für WWP. Weiter im Film wird auch erwähnt, dass der Budhismus in Russland blüht und gedeiht und staatlich gefördert wird – dass der Verteidigungsminister praktizierender Budhist ist, kann dabei sicher nicht schaden).
    Was die Sorge um den Baikalsee geht: Das ist ja wahrlich kein neues Thema. Jetzt werden die vielen Touristen und die Boote kritisiert. Was aber wirklich gefährlich war für den Baikal, das ist das Zellulose-Werk, dass noch in der Sowjetzeit gebaut wurde. Und der Autor verschweigt nicht, dass diese Dreck-Schleuder vor einigen Jahren (endlich) geschlossen wurde. Gesamthaft ist die Situation des Baikal also heute sicher nicht schlechter also vor 30 Jahren. Und auch hier sieht man am Beispiel der Jagdpatrouillen am Baikal, dass der Staat stärker präsent ist, und man nicht mehr wie früher, als alles „interessanter“ war, man machen kann was man will, ohne mit Konsequenzen zu rechnen. So was nennt man Rechtstaat. Uebrigens: Der Omul ist wirklich ein ausgezeichneter Speisefisch!
    Der Eindruck ist klar: Im Land herrschen wieder geordnetere Verhältnisse als früher. Und eigentlich tut mir der Autor leid. Er musste diesen positiven Aspekt der russischen Entwicklung (sonst würde er nicht mehr lange bei ARD/ZDF arbeiten) ins Negative kehren. Banditenwesen und Chaos und Willkür=gut. Also ungefähr so dass, was jetzt in Deutschland einzieht. Ja, dann ist ja alles gut….Wo ich lachen musste war: „Die Jungen ziehen fort. Richtige Arbeit gibt es nur in der Stadt. Hier gibt es nur Gelegenheitsarbeiten.“ Quizfrage: War das jetzt in einem Dorf vor Jekaterinburg oder in Meck-Pomm?.)
    Den Spruch mit dem Doping in der Judo Arena und die Frage nach dem Alkohol (die man nicht übersetzt hat) im Schwimmbad hätten sich die DOKU-Macher nun wahrlich sparen können. Überhaupt interessant was nicht übersetzt wird… Übrigens, noch ganz großes „Kino“:Im Ersten Teil erzählt ein ehem. Polizist, er sei gegangen weil es nur noch um Korruption in der Polizei geht. Soweit okay, aber dann nur einige Zeit später wird gezeigt wie die Polizei die Filmgruppe anhält und denen ein Strafzettel verpasst, weil einer keinen Helm auf hatte beim Motorrad fahren und der Selbe, der noch vorher von Korruption geredet hat, auf einmal mit seinem abgelaufenen Polizeidienstausweis versucht die Strafe zu verhindern :). Mal ganz nebenbei für Russland Unkundige, es gibt so einige Ex-Milizionäre die jetzt voll auf die Opposition stehen und komischerweise haben sie alle die neuen Qualifikationskriterien der Miliz in die Polizei nicht bestanden. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema…

    Antwort
  • 17. Januar 2018 um 12:40
    Permalink

    Diese Typen spielen regelrecht damit, daß der ZDF-Glotzer par excellence (naja, Zentralder DummFunk – sagt alles, oder?) Null Ahznung hat. Beispiel: „Sie besuchen nochmals … den Truck-Hersteller Kamaz, dessen LKW früher stets die Rallye Paris Dakar gewannen.“ Der Truckhersteller kooperiert mit Mercedes und der Kamaz ist nach wie vor ungeschlagen! Ich war mal dort zum Dolmetschen. Beeindruckend, was die Jungs und Mädels dort geleistet haben. Warum das nun gleich ienen düsteren Anstrich bekommen muß, ist mir schleierhaft.

    Antwort
  • Netti
    18. Januar 2018 um 11:15
    Permalink

    Schönen guten Tag Siegie-NN, stimme dir zu das sie bewusst die Ahnungslosigkeit der Menschen missbrauchen für ihre Propagandazwecke. Und eine Erklärung wieso alles einen düsteren Anstrich bekommen muss steckt eventuell hier drinnen: http://humanistenteam.info/endziel-russland-why-we-fight-auszug-us-doku-1943die-usa-und-ihre-gier-nach-bodenschaetzen/ Wir alle wissen ja wie gierig der Westen nach Bodenschätzen ist und was man darum gäbe/ gibt auch jene zu bekommen die einem nicht gehören. Oder zumindest wie bei Gorbatschow/Jelzin wieder mehr Einfluss darauf, dass man sie zu einem Schleuderpreis bekommen kann….

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.