Flüchtlinge vor 80 Jahren und heute

Wir schreiben das Jahr 1938,  Ort der Handlung; das Nobelhotel „Royal“ des französischen Badeorts Évian-les-Bains  am Genfer See, Darsteller; US Präsident Franklin D. Rossevelt und Vertreter von 32 Staaten, einziges Thema; Nazideutschland und die Juden. Ausserdem anwesend 200 Journalisten und 40 Sprecher von jüdischen und nichtjüdischen Hilfsorganisationen.

Eigentlich sollte diese Konferenz am Sitz des Völkerbundes in Genf stattfinden, doch die Schweiz hatte Angst vor Nazideutschland, sie wollten nicht das Schicksal Österreichs teilen, daher wurde sie verlegt auf die französische Seite des Genfer See.

Und als dann die Konferenz begann, da gab es scheinbar viel Mitgefühl für die rund 500000, von den Nazis verfolgten und mit dem Tod bedrohten Juden aus Deutschland und Österreich. Doch es war alles nur geheuchelt, denn gleich die ersten Redebeiträge zeigten das wahre Gesicht der Teilnehmer. Natürlich tut uns das ja fürchterlich leid und wir beauern das ja auch zutiefst, ABER ….!  Der amerikanische Konferenzpräsident Myron Charles Taylor, erfolgreicher Industrieller und Roosevelt-Freund, erklärte den Anwesenden, dass die USA ja noch immer unter den Folgen der großen Depression wegen der Wirtschaftskrise leiden würde und sich daher ausserstande sehe, mehr als die vereinbarten 27500 Juden aufzunehmen. Doch halt, es waren ja Flüchtlinge, die aus Deutschland und Österreich emigrieren wollten, die Bezeichnung Jude wurde von allen peinlichst vermieden.

http://www.spiegel.de/einestages/konferenz-von-evian-1938-kein-asyl-fuer-juedische-fluechtlinge-a-1216376.html

Zeitsprung: Wir schreiben das Jahr 2018! Im ersten Halbjahr 2018 kamen laut der Internationalen Organisation für Migration (IMO) knapp 46.500 Menschen über das Mittelmeer in Europa an, zumeist aus Syrien und dem Irak. Und was sagt Europa, diesmal auch Deutschland mit dabei? Wir würden ja gerne, ABER ….! Da ist es wieder, das große aber. Und wieder läßt man Menschen eiskalt sterben, doch halt, es sind ja „nur“ Flüchtlinge.Und wieder werden Gruppierungen hofiert, welche ihre Ansichten durchsetzen wollen, egal um welchen Preis.

Haben wir denn in den vergangenen 80 Jahren gar nichts gelernt?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.