Glücklich ein Volk, dessen Armee bereit ist die Demokratie zu verteidigen

In der Nacht vom 15. auf den 16. Juli kam es in der Türkei zu einem versuchten Militärputsch. Dabei sollte man wissen, dass in der Türkei seit dem Staatsgründer Atatürk das Militär als Garant der laizistischen Ordnung gilt. Es steht für die strikte Trennung zwischen Religion und Staat und der Demokratie in der Türkei. Genau diese Elemente sahen die putschenden Offiziere in Gefahr. So wollten Sie einen Friedensrat bilden, die Demokratie schützen und Erdogans Regime ein Ende setzen. Jeder Mensch sollte dabei gleich welcher Religion, Herkunft oder Nationalität vor Diskriminierung und Gewalt geschützt werden. Dabei gingen diese Militärs bewusst das Risiko ein ihr Leben zu verlieren um ihr Land vor der autoritären Regierung zu schützen. Ein “Tyrannenmord”, wie ihn Friedrich Schiller bezeichnet und der auch in Deutschland wünschenswert gewesen wäre aber im dritten Reich immer scheiterte. Was in westlichen Medien dabei nur selten erwähnt wird, sind die drakonischen Maßnahmen, mit denen in der Türkei das Volk unterdrückt wird. So sind auch Minderjährige bei Demonstrationen gegen Erdogan erschossen oder wegen Beleidigung des Präsidenten ins Gefängnis gesperrt wurden. Sogenannte Anti-Terror-Gesetze, gleichgeschaltete Gerichte und Medien machen eine Opposition zu Erdogans AKP fast unmöglich und die Türkei immer mehr zu einem autoritären Gottesstaat. Soviel zu den Gründen zu diesem Putschversuch. Da dieser auch wenn mancherorts noch gekämpft wird scheinbar gescheitert ist, bleibt es ein Fazit zu ziehen und einen Ausblick zu wagen. Obgleich der Putsch alle wichtigen Flughäfen der Türkei unter seine Kontrolle brachte, war wohl der größte Fehlschlag, dass es nicht gelang Erdogan selbst habhaft zu werden. So konnte er fliehen und das Volk aufrufen auf die Plätze und Flughäfen zu strömen. Während er in Sicherheit versteckt ausharrte, ließ er trotz Ausgangssperre und Kriegsrecht seine Anhänger auf der Straße sterben, um seine Haut zu retten. Da das Militär bisweilen zögerlich vorging (um das Leben von Menschen des eigenen Volkes so gut wie möglich zu schonen), gelang es so die Soldaten zurück zu drängen und Erdogans Macht zu erhalten. Zu einem hohen Preis. Was jetzt mit den am Putsch beteiligten Militärs geschieht, bleibt abzuwarten, nach Verlautbarungen der türkischen Behörden könnte es zu Massenhinrichtungen kommen. In jedem Fall bleibt zu befürchten, dass Erdogan seine Säuberungen in der Armee und den Behörden noch stärker als bisher voran treiben wird und sich die humanitäre und demokratische Lage in der Türkei weiter verschlechtert. Wenn nun die letzten Gegner Erdogans den Tod finden, scheint die Türkei sich endgültig in ein undemokratisches Regime zu wandeln. Außenpolitisch hat Erdogan das Land weitgehend in die Isolation getrieben, die wichtigen Wirtschaftszweige des Landes liegen am Boden und das Land wird regelmäßig von Anschlägen und Bürgerkriegsähnlichen Zuständen in den Kurdengebieten erschüttert. Umso mehr scheint sich abzuzeichnen, dass Erdogan von diesem misslungenen Putschversuch profitiert und gestärkt hervor geht, was diese negative Tendenz befördern kann.

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