HELDENHERZBLATT DES TAGES: FAZ

Der Kommandeur des in der Ostukraine marodierenden und zuletzt von US-Einheiten trainierten Bataillons »Donbass«, Semjon Semjontschenko, werde »in Teilen der Öffentlichkeit wie ein Nationalheld verehrt«, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Montag auf Seite eins. Mit Öffentlichkeit meint die »Zeitung für Deutschland« sich selbst und wird entsprechend bei der Wiedergabe von Satzfetzen des Warlords von der eigenen Ehrfurcht übermannt. Jenseits von FAZ-Heldensagen war die Lichtgestalt allerdings lediglich der bewaffnete Gehherda des Oligarchen Igor Kolomoiskij, der Ende März wiederum vom Kiewer Präsidenten und Oligarchenkollegen Petro Poroschenko rausgeworfen wurde. Der Ritter ohne Fehl und Tadel Semjontschenko ist aber drauf und dran, Washingtons starker Mann in Kiew zu werden. So einer benutzt fürs Minsker Waffenstillstandsabkommen nur ein Wort: »Blödsinn«. Das wird dann vom FAZ-Reporter rapportiert. Für die Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat der Warlord mit Parlamentssitz in Kiew ein paar Silben mehr übrig: Die OSZE bevorzuge »in ihrem heutigen Format Russland«. Wahrscheinlich reichen einem wie Semjontschenko und der FAZ, dass die Moskauer dort mit einer Stimme so wie alle anderen mitreden dürfen. Wenn die Kreml-Vertreter aber dabei sind, ist das selbstverständlich undemokratisch. »Russen raus«, der Grundkonsens aller Maidan-Demokraten einschließlich Hitler- und Bandera-Fans gilt schließlich auch in Frankfurt. Überhaupt hält Semjontschenko nur von sich etwas, von seinen Kumpanen nichts. Gegen das heutige Kiewer Spitzenpersonal sei der weggeputschte Präsident Wiktor Janukowitsch bei Veruntreuungen ein Muster an Ehrlichkeit gewesen, ließ er vor ein paar Wochen verlauten. So redet ein zukünftiger Führer. Die FAZ hat dafür ein feine Nase, aus Erfahrung. (asc)

https://www.jungewelt.de/2015/05-05/061.php

0 Gedanken zu „HELDENHERZBLATT DES TAGES: FAZ

  • Kaballah
    5. Mai 2015 um 21:33
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    Justas – die FAZ geht den Weg des geringsten Widerstandes oder auch des rektalen Erfolges, beides zeigt nur auf wie sehr man in der deutschen Medienlandschaft bemüht ist den BürgerInnen ein absolut verzerrtes Bild der Realität zu vermitteln. Die Junge Welt zeigt sich da mal wieder als berühmte Ausnahme – davor ziehe ich gerne den Hut!!!
    Allerdings mag ich anmerken wollen das eben nicht alle Maidan-Demokraten in diesen Topf geworfen werden sollten – nur jene die meinten mit einem europäischen Weg wäre alles super. An dieser Stelle verweise ich dann gerne an meinen Beitrag zu Moldawien gestern…
    Die gekauften und ohnehin verblendeten Vertreter rechter Gesinnung werden früher oder später in ihre Schranken gewiesen werden müssen – ansonsten wäre das nicht nur fatal für eine europäische Entwicklung sondern würde die Gewalt eher noch verschärfen – die kennen keine Grenzen!

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