IG Metall – Der hohe Preis für die 28 Stunden Option

Mit der Forderung von 6 Prozent mehr Gehalt und einer Wahloption auf Reduzierung der Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden für 2 Jahre mit anschließender Garantie auf erneute Vollzeitbeschäftigung ging die IG Metall in die Tarifverhandlungen. [1]

Arbeitgeberverbände sind erfreut über die Tarifrunde.

Prozentual gesehen ist der Erreichte Tarifabschluss mit 4,3% in Prozenten die höchste Tariferhöhung seit 2012. Dennoch äußern sich Arbeitgeberverbände überraschend positiv über die getroffene Einigung. So äußerte Stefan Wolf, Chef von Südwestmetall:

In vielen Abschlüssen der letzten Jahre haben wir uns nicht in dem Maße so durchsetzen können, wie dieses Mal mit unserer Forderung. Wir haben sehr viel bekommen, nämlich sehr viel Öffnung bei den Arbeitszeiten nach oben.“ [2]

Doch warum sind die Arbeitgeber mit den getroffenen Vereinbarungen derart zufrieden obgleich auf den ersten Blick die Forderungen der Gewerkschaft weitestgehend umgesetzt wurden? Es liegt an den hohen Opfern, die gebracht wurden um den Deal zu erkaufen.

Höchster Lohnabschluss seit 2012? Was dahinter steckt.

Wie hoch die Steigerung der Jahresentgelte real wirtschaftlich ausfallen wird, ist aufgrund der ungewissen Inflation schwierig zu prognostizieren. So wurde beispielsweise 2015 bei einer Inflationsrate von nur 0,3 Prozent bei den Tarifverhandlungen ein Reallohnzuwachs von 3,3 Prozent erzielt. Für das Jahr 2017 wird jedoch bereits eine Inflation von 1,8 Prozent, für 2018 und 2019 eine ähnlich hohe Inflation prognostiziert. Dabei rechnet die IG Metall in ihrem Werbematerial selbst mit einer Inflation von zwei Prozent. Außerdem sind die vereinbarten Sonderzahlungen ab 2019 von 400 Euro im Jahr abhängig von der wirtschaftlichen Situation und sind deshalb für den Arbeitnehmer nicht fest einplanbar, da sie verschoben werden oder ausfallen können. Desweiteren verteilt sich diese Erhöhung auf eine Laufzeit von 27 Monaten. Somit könnte die Steigerung im Reallohn deutlich geringer ausfallen als es der vergleichsweise gute Abschluss vermuten lässt. Eine Auflistung der Änderungsrate der (realen) Jahresentgelte der vergangenen Jahre [3] können Sie hier einsehen:

Die 28 Stunden Option und was Sie die Arbeiter kosten wird.

Die optionale Verkürzung der Arbeitszeit auf 28 Stunden für maximal zwei Jahre mit anschließender Garantie auf erneute Vollbeschäftigung mit 35 Wochenstunden ist an sich eine nachvollziehbare Forderung, problematisch könnte für viele Beschäftigte jedoch der Deal sein, mit dem diese Regelung erkauft wurde. So erklärte sich die IG Metall bereit, dass die in den 1980er Jahren erkämpfte 35-Stunden-Woche weitgehend aufgeweicht wird. Bis zu 50 Prozent der Beschäftigten können künftig mit 40 Stunden-Verträgen angestellt werden. Die neue Durchschnittsarbeitszeit in den Betrieben liegt nun bei 35 Stunden, was bedeuten würde, dass für jeden Mitarbeiter der 20 Stunden Teilzeit arbeitet (wie zum Beispiel Werkstudenten) drei andere Beschäftigte anstelle von 35 Stunden ganze 40 Stunden arbeiten „dürfen“. Außerdem gilt die neue 28 Stunden-Regelung nur für maximal 10 Prozent der Beschäftigten eines Betriebes. Es bleibt also abzuwarten, wie viele Arbeitnehmer die Option in Anspruch nehmen und wie sich diese Änderung auf den Arbeitsmarkt und die Arbeitnehmer auswirkt.

Quellennachweis:

[1] Metall-Tarifrunde: IG Metall-Vorstand beschließt Forderung
[2] nd: Mehr oder weniger
[3] GESAMTMETALL: M+E-Tarifrunden
[4] Statista: Inflationsrate in Deutschland – Prognose bis 2019

2 Gedanken zu „IG Metall – Der hohe Preis für die 28 Stunden Option

  • lausebengel
    7. Februar 2018 um 14:06
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    Jap, der Preis wird noch höher wenn man sich die Laufzeit des Tarifvertrages ansieht. 27 Monate. Das relativiert diese “ immense “ Lohnerhöhung schon mal auf etwa die Hälfte, also nur wenig mehr als die zu erwartende Inflationsrate….
    Das erfreut natürlich die Wirtschaft…..

    Antwort
    • JapNutzer
      7. Februar 2018 um 14:42
      Permalink

      Stimmt, diese Tatsache hatte ich sogar vergessen zu erwähnen, werde ich noch ergänzen. Natürlich ist die Lohnsteigerung noch geringer, da sie über diesen größeren Zeitraum erfolgt. Natürlich ist es gut, dass es eine Erhöhung gab aber leider war der Tarif nicht so gut, wie er hätte sein können/sollen. Wenn man bedenkt, dass die Metaller schon die Branche sind, die in Deutschland am meisten verdient, wird auch deutlich, wie viel schlechter die meisten anderen noch stehen. Auch finde ich die weiter bestehenden Ost-West Unterschiede auch innerhalb der Gewerkschaft inakzeptabel. Aber das ist ein eher grundsätzliches Problem, dass die IG Metall aber auch endlich angehen müsste.

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