Mars One – ernsthafte Forschung oder nur PR Show?

Die Grundidee von Mars One

Freiwillige konnten sich bewerben um einen One-Way-Ticket ins All zu bekommen. Also eine Reise zum Mars, aber ohne Rückkehr auf die Erde. Dennoch fanden sich über 200.000 Freiwilligen Bewerber für einen Flug ins ungewisse. Starten soll der Flug im Jahr 2030. Aus den Teilnehmern wurden bereits 100 für eine PR Show ausgewählt. In dieser Show soll sich entscheiden, welche Kandidaten am Ende wirklich fliegen dürfen. Und so möchte sich das Projekt auch finanzieren. Es wird eine gigantische TV-Show vergleichbar mit Big Brother, die sowohl auf der Erde, als auch vom Mars das beengte Leben der Hobby Astronauten dem Fernsehpublikum zeigen wird. Nur 40m² stehen den zukünftigen Bewohnern als Lebensraum zur Verfügung, auf denen sie wenn alles gut geht die nächsten Jahre leben werden. Insgesamt sollen 6 Milliarden Euro durch Fernsehrechte eingenommen werden um die Mission finanziell zu stemmen. Die ersten Flüge müssen bereits 2016 starten um erst einen Kommunikationssatelliten, 2018 einen Mars-Rover und 2020 Wohngebäude und andere Module auf den Mars zu bringen, bevor die ersten vier Menschen im Jahr 2025 eintreffen.

Hürden der Reise:

Sauerstoff und Lebensmittel. Die ISS beispielsweise hat Sauer für bis zu 8 Monate im Vorrat. Dieser wird mit andockenden Raketen nachgefüllt. Da die Mars One im Verlauf mehr Besatzung haben wird und allein die Reise zum Mars zwischen 6 und 10 Monaten dauern wird, dürfte sowohl der Bedarf an Wasser, Sauerstoff und Lebensmitteln deutlich höher sein. Im schlimmsten Fall könnte eine Rakete auf der Reise verunglücken und bis eine Neue den Weg zurück gelegt hat, vergeht fast ein Jahr. Also müssen die Reserven an allem recht hoch sein.
Die Reisedauer. Auch die Dauer des Fluges an sich stellt eine Enorme Belastung dar. Schon die 6 Monate Aufenthalt der ISS Besatzung führen zu Muskelschwund und setzt körperliches Training vorraus. Inwiefern das in engen Kapseln möglich sein wird, ist fraglich. Außerdem sind die Astronauten über diese lange Zeit einer starken Strahlenbelastung ausgesetzt.
Technik. Geplant ist, dass die Trägerrakete “Falcon 9” der privaten Firma SpaceX die Module und Astronauten zum Mars fliegen soll. Dies ist bisher jedoch noch nicht erprobt, da die Rakete noch in der Testphase ist und einige Versuche misslangen. Erst wenn wirklich eine Falcon 9 zum Mars gekommen ist, wird man wissen, ob es klappen könnte. Größtes Problem hierbei ist der Versuch die Raketen wieder zu verwenden. Geplant ist, dass die Raketen weich auf einer Plattform im Ozean landen und für erneute Starts verwendet werden können. Bisher wurden jedoch alle Raketen nach einmaligem Gebrauch zerstört. Dies stellt ein enormes Problem für das Projekt dar, da die Raketen hunderte Millionen Dollar kosten und nur eine Mehrfachverwendung kostengünstig genug ist.
Finanzierung. Können sich die privaten Investoren und Unternehmen solche Milliarden-Projekte überhaupt auf Dauer leisten? Bisher konnten mit Ausnahme kleiner Aufträge keine wirtschaftlichen Projekte durchgeführt werden. Es gibt zudem viel Konkurrenz und zahlreiche Fehlschläge. So versucht aktuell der Bundesstaat New Mexico seinen weltweit ersten privaten Weltraumflughafen zu verkaufen.  Angeblich, weil man hier „viel Schnee geschippt, aber keinen Start geschafft hat“. Der Verkauf könnte auch das Projekt Mars One betreffen, weil der Marsflug von hier starten sollte.
Der Mensch. Psychologen bestätigen, dass Einsamkeit einen echten physischen Effekt auf den Menschen hat und diesen Krank macht. Der Mensch ist ein soziales Wesen und Isolation setzt ihm schwer zu – nicht nur geistig, sondern auch körperlich.

Fazit
Technisch gesehen, bleibt Mars One noch viel zu tun. Zwar konnten die Kosten durch eine Selbstmordaktion der Freiwilligen drastisch gesenkt werden, jedoch sind weder die Rakete noch der Rest an Technik aktuell weit genug fortgeschritten um den hohen Anforderungen zu entsprechen. Wenn während dem Flug ein Defekt auftritt, hat die Besatzung keine Möglichkeit sich zu retten. Selbiges gilt für ihre Kolonie. Für mich sieht es nach einer großen PR-Aktion aus, mit der Zuschauer schon bald vor den Fernsehr gelockt werden sollen. Es ist fraglich, ob in der kurzen Zeit geschafft werden kann, was Staaten bereits seit Jahrzehnten planten und versuchten. Der Mond wäre für ein solches Unterfangen ein weit realistischeres Ziel gewesen. Selbst die ESA schafft es nicht, ein permanentes Videosignal von der ISS zur Erde zu realisieren, so etwas vom Mars aus durchzuführen ist noch viel komplizierter. Daher bin ich mir nicht sicher, ob die vollmundigen Versprechen auch nur ansatzweise eingehalten werden können. Als sozialwissenschaftlichen Versuch finde ich das Projekt spannen, wie diese Menschen auf 40m² eingesperrt über Jahre leben sollen und dabei die Gewissheit haben, dort zu sterben. Jedoch finde ich es unter moralischen Gesichtspunkten ziemlich abartig. Und wissenschaftlich ist es kaum von Bedeutung. Roboter wie der Mars Rover können genauso Experimente durchführen wie Menschen, kostengünstiger und ohne die moralischen Bedenken. Eure Meinung gerne in die Kommentare! :3

Quellen – für jene, die es gerne etwas genauer wissen möchten

BESIEDELUNG DES MARS: DIE HÜRDEN DER MARS ONE MISSION
http://www.slyced.de/news-aktuelles/featured/besiedelung-des-mars-die-huerden-der-mars-one-mission-report/

All meine Vergleiche zur ISS
http://www.phoenix.de/faq_all_tag_fragen_zur_iss/87438.htm#94715

Mars One – Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Mars_One

Wiederverwertbare Rakete: „Falcon 9“ versinkt im Meer
http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/spacex-schiesst-satellit-dscovr-ins-all-falcon-rakete-versinkt-im-meer-a-1018006.html

0 Gedanken zu „Mars One – ernsthafte Forschung oder nur PR Show?

  • Senbonzakura
    3. August 2015 um 12:49
    Permalink

    Mars One wird immer mehr zu einer Farce, es fehlt nicht nur massiv an Kapital, auch stellt sich die Technik und Planung als absolut ungenügend heraus, hier ein paar Punkte:

    Übersättigung mit Sauerstof
    Nach Berechnungen der Universität MIT würde die Luft bei Mars One nach 68 Tagen zum Tod führen. Dies liegt an der geplanten Sauerstoffproduktion allein durch Pflanzen, diese entziehen der Luft den Stickstoff und würden zu einer Übersättigung mit Sauerstoff führen – das ist tödlich.

    Strahlentod
    Der Marsrover Curiosity hat wischen August 2012 und Juni 2013 die Strahlenbelastung auf der Oberfläche des Mars gemessen. Die von Curiosity gemessenen Werte waren hoch: Schon nach ein paar Monaten hätte ein Astronaut die Dosis abbekommen, die für europäische Astronauten derzeit als Grenzwert für das gesamte Leben festgelegt ist (1.000 Millisievert).

    Bewerber-Zahlen sind geschönt
    Es stellt sich heraus, dass in Wahrheit weit weniger Menschen eine Bewerbung bei Mars One eingereicht haben, als bisher angenommen. Anstatt der angegebenen 200.000 Bewerber, reichten nur gerade einmal knapp 2800 eine Anmeldung für das Projekt ein. Die anderen waren zwar auf der Webseite, sind aber vor der endgültigen Anmeldung abgesprungen.

    Zu wenige Ersatzteile
    Es gibt auch Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Ersatzteilen. Erfahrungen auf der Internationalen Raumstation (ISS) haben gezeigt, dass regelmäßige Versorgungsflüge für Reparaturen notwendig sind. Bei Mars One sollen die Abstände zwischen den Versorgungsflügen zwei Jahre betragen.

    Quellen:
    MIT prophezeit frühe Todesfälle bei Mars One
    http://futurezone.at/science/mit-prophezeit-fruehe-todesfaelle-bei-mars-one/90.910.540
    Mars One wird scheitern
    http://www.golem.de/news/imho-mars-one-wird-scheitern-1502-112465.html

    Antwort

Schreibe einen Kommentar zu Senbonzakura Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.