Sönke Neitzel und der 75.Jahrestag der Schlacht von Stalingrad – voll daneben

Ich kann mir schon denken warum die Tagesschau gerade auch den 75. Jahrestag zum Anlass genommen hat um wieder einmal die Sicht für sich zu gestalten. Das man sich eines Historikers Sönke Neitzel bedient scheint dem Ganzen einen höchst wissenschaftlichen Anschein zu erwecken. Man darf dann aber nicht wirklich dem Konstrukt dieses Interviews folgen ohne am Ende überrascht zu sein. Nein, ich meine ohnehin nicht positiv überrascht sondern eher im Gegenteil. Dazu aus der Sicht des Herrn Neitzel:

  • Deutschland habe die Geschichte des Nationalsozialismus vorbildlich aufgearbeitet, Russland dagegen bediene sich der Geschichte „wie an einem Wühltisch“
  • Putin suche sich einfach einen „symbolisch aufgeladenen Ort“ aus
  • Putin nutzt die Feier in Stalingrad zur Ausprägung einer positiveren russischen Identität
  • es geht dabei überhaupt nicht um Geschichte

um nur einige seiner Worte zu erwähnen. Das gesamte Video könnt ihr sehen unter:

http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-373311.html

Also mal ehrlich – dieser schreckliche Versuch aus deutscher Sicht mit dem Thema Stalingrad und dieses Jahrestages umzugehen ist schon mehr als erstaunlich. Gerade in Zeiten des Wiedererstarkens von Nationalismus und des Versuchs der Nato sich weiter nach Osten auszudehnen (und dabei auch die Gefahr einzugehen Russland zu reizen), in diesen Zeiten wo immer wieder klar gezeigt wird wie Deutschland die Zeit des Faschismus aufgearbeitet haben will muss man doch einfach nur noch erschüttert sein.

In der Anfangssequenz werden auch kritische Stimmen zu den Feierlichkeiten zu Gehör gebracht, unter anderem von einem gewissen Nikolai Swanidse – dass dieser nun die Meinung des russischen Volkes widerspiegeln soll grenzt schon an ein Wunder, augenscheinlich gab es bei den vielen Menschen dort in Wolgograd keinen der mit der ARD sprechen wollte?!

 

5 Gedanken zu „Sönke Neitzel und der 75.Jahrestag der Schlacht von Stalingrad – voll daneben

  • lausebengel
    7. Februar 2018 um 14:24
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    In Deutschland wurde die Geschichte des Nationalsozialismus vorbildlich aufgearbeitet? Sicher von Kiesinger, Globke und Filbinger….im Verein mit den Kriegsverbrechern die vorzeitig aus der Haft entlassen bzw. gar nicht erst verfolgt wurden. ( Sarkasmus )

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  • 7. Februar 2018 um 15:44
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    Puh! Wo soll man da anfangen zu meckern? Bis heute haben es die Rundfunk- und TV-Bestien der deutschen Medien nicht geschnallt, daß die Rote Armee nicht russisch, sondern sowjetisch war. Das ist relevant, weil es ja im Weiteren bei den faschistoiden Freunden der bundesdeutschen Regierung darum geht, daß Rußland deren Staaten okkupiert hätte – nicht Deutschland, und D hat auch keine Tausenden von Todesopfer an der Zivilbevölkerung zu verantworten usw.
    Und was die Geschichtsaufarbeitung betrifft – die BRD hat bis in die 80-er hinein nix „aufgearbeitet“ und will das nun binnen der knapp 10 Jahre getan haben, die bis zum Zusammenbruch des SWS geblieben sind? Danach fand eine für meine Begriffe gigantische Umetikettierung der Geschichte statt. Man kann das ebensowenig als Geschichte bezeichnen, wie man diesen Sönke als Historiker bezeichnen kann.
    Apropos Militärparade – wenn man einen Aggressor hat und einen, der sich verteidigen muß gegen dieses Rindvieh, wer von beiden wird seine Waffen zeigen, der Aggressor, damit der Angegriffene Angst bekommt, oder der potentiell Angegriffene, damit dem Aggressor die Lust am Angreifen vergeht? Logo, oder?

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    • Pragmatiker
      7. Februar 2018 um 22:15
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      Hallo Siegie-NN, die (also die Medien und der Herr Neitzel) machen genau das was Herr Neitzel im Originalton „Wühltisch der Geschichte“ beschreibt, sie klauben sich das heraus was ihrer Meinung nach geschichtliche Wahrheit darstellen soll – das alleine ist schon verlogen. Neitzel der 2017 der Bundesverteidigungsministerin vorwarf sie würde „historischen Exorzismus“ betreiben (da ging es darum Spuren der Wehrmacht in der Bundeswehr zu tilgen – wenn auch reichlich spät). So einen kann man doch nur noch als einen Geschichtsfälscher bezeichnen. Siehe auch: https://www.wsws.org/de/articles/2017/07/18/neit-j18.html oder https://magazin.spiegel.de/SP/2017/29/152163686/index.html
      Ich kann mich da als Deutscher dafür nur schämen!

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  • Netti
    8. Februar 2018 um 13:16
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    https://deutsch.rt.com/meinung/64821-umgang-mit-stalingrad-moralische-bankrotterklarung-bundesregierung-rassenideologie-ressentiments/
    Gert Ewen Ungar: Umgang mit Stalingrad – Eine moralische Bankrotterklärung der Bundesregierung
    Wie dein Artikel beweist Pragmatiker, wir haben auch eine moralische Bankrotterklärung aller Mainstreammedien. Die Relativierungen die es da überall so gab waren nur noch zum fremdschämen.
    Er legt den Finger in die Wunde. Ich habe mich für die hiesige Politführungskaspergilde fremd geschämt.
    Die können hier doch alle froh sein, dass die Russen immer ganz fein zwischen dem Gesindel, was sie einstens überfallen und das sie in Stalingrad dann sehr nachdrücklich abgebürstet haben!
    Es hat mich bedrückt, als so um 2015 herum eine russische Freundin mich per Mail fragte, ob wir immer noch Freunde seien … sie hatte den Fehler gemacht und sich eine deutsche Mainstreamzeitung mit Wörterbuch zusammenbuchstabiert. Ich war kurz sprachlos und dann den Tränen nahe und ich schwor ihr (und ihr kennt mich ja :) eher ziehe ich in ihr Land zurück als mich jemals gegen ihr Volk zu stellen. Da könnte ich ja gleich meine Seele dem Teufel übergeben… Diese Idioten bringen einen in Gewissenskonflikte das ist unerträglich! Ehrlich wenn das so weiter geht schmeiße ich meine ach so reinrassige deutsche Staatsbürgerschaft noch hin, ehe ich mir noch mal die Schande von Gebbels 2 antun lasse!

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