Vitus Heller ein „kommunistischer Katholik“ gründete die Christlich-Soziale Partei Bayerns und später Mitbegründer der CSU Unterfranken

Wer den links-katholischer Publizisten nicht kennt, ein kurzer Abriss zur Person: https://de.wikipedia.org/wiki/Vitus_Heller

Passt als Ergänzung zum Inhalt des Beitrages: http://humanistenteam.info/essay-bayern-ist-zutiefst-sozialistisch-gepraegt-hat-es-leider-vergessen/

Nun aber überlasse ich das Wort dem Würzburger Ex-Stadtrat, Initiator des Würzburger Arbeitskreises Stolpersteine und der Geschichtswerkstatt Helmut Försch  (Jahrgang 1928)  verwand mit  Konrad Försch 

Liebe Freunde,

ergänzend zum Buch über Vitus Heller hier einige kleine Beiträge aus der Zwischenzeit, die aber sicher interessant sind. Und für alle, die es noch nicht haben, meine Worte zur Vorstellung des Buches.

Mit den besten Grüßen

Helmut 

Um Missverständnissen vorzubeugen:

Ein paar Worte voraus.

Schicksalsbestimmt durch Kriegs- und Nachkriegszeit bin ich das, was man gemeinhin den „Kleinen Mann“ nennt, also kein „Gebildeter“, durch  Abitur oder gar  Promotion geadelter Bürger. Und so ist auch das, was in diesem Büch­lein zusammengefasst ist, hoher Weihen wohl nicht würdig, das war auch gar nicht  in meinem Sinn, wer mich kennt, weiß, dass das auch so stimmt.
Mir ging es, als ich dran ging, über Vitus Heller, sein Leben und seine Sendung zu schreiben, nicht darum, Lorbeeren zu ernten, sondern einen Mann  aus der Vergessenheit zu reißen, der verdient hat, als Vorbild zu dienen – zu mindest meiner Meinung nach, auch wenn es heute, in dieser Welt nicht mehr so um Ideale wie Frieden und Gerechtigkeit, sondern um Jobs, Pöst­chen und Geld, viel Geld und Macht geht, dann ist dieses Leben, sind diese Ideen, schon fast wie ein Märchen von Humanität und Vernunft.

Deshalb bitte ich darum, dieses Büchlein als das zu sehen, weshalb ich mich hin setzte und fast zwei Jahre lang nachdachte, es nicht mit den Maßstäben der Aka­de­mie der Wissenschaften zu messen.  Ich habe für Vitus Partei genommen, weil  ich von seine Ideen, und seinem Kampf einfach begeistert bin.  Das voraus.

Das Vorwort zum Buch – für heute modifiziert und erweitert:

Ein Bauernbub wollte die Welt verändern

Die Geschichte unserer Heimatstadt Würzburg macht uns mit vielen Namen und Schicksalen ver­traut.. Immer wieder wird einer vergessen, dessen Leben und beeindruckende Per­sön­lich­keit als Vor­bild und als Auftrag an die Menschen heute verstanden werden kann, und es wird meistens unterlassen, aus der Ver­gangenheit zu lernen und Vergleiche mit der Gegenwart anzu­­stellen.

Im August 1933 wurde Felix Fechenbach auf dem Weg nach Dachau in einem Wäldchen nahe bei Warburg ermordet. Wäre er in Dachau angekommen, wäre er mit Sicherheit dort mit Vitus Heller zusammengetroffen, der seit Juni da mit den subtilen Methoden der Nazis ver­traut gemacht wurde, wie man mit seinen Gegnern umgeht. Diese beiden Männer aus völ­lig verschiedenen Kultur­kreisen hätten sich bestimmt verstanden, denn ihre Liebe zu Deutsch­land,  ihr soziales Engage­ment wie ihr Kampf gegen Faschismus und Militarismus waren von bei­den mit dem Einsatz ihrer ganzen Persön­lichkeit und unbeirrt von Niederlagen und Ver­folgung betrieben worden. Und sie haben beide zu gleicher Zeit weitrei­chende Ent­schlüsse gefasst, durch die unsere Geschichte eine Wende hätte erfahren können. Fechenbach gab am 7. November 1918 die für die Revolution in Bayern entscheidende Parole aus und Vitus Heller schrieb da gerade sein Programm des Christlichen Sozialismus. Felix Fechenbach ist in Würz­burg wie­der präsent, seit Roland Flade, der mit Fechenbachs Buch: „Der Puppen­spie­ler“ auch dessen Bio­gra­fie veröffentlicht hat und mir damit den Anstoß gab, den Felix-Fechenbach-Kreis zu gründen, damit dieser Mann in Würzburg wieder zu einem Begriff werden sollte..

Auch Vitus Heller hat es verdient, dass man sich seiner wieder erinnert. Es sind nun schon zwei Jahre vergangen, seit mir von der Familie Heller alle verfüg­baren Texte, Dokumente  und Bilder über­geben wurden. Vitus Heller ist mir in dieser Zeit zum Vorbild, mehr noch zum Freund und Ge­nossen ge­worden. Ich bedaure es sehr, dass ich ihn nicht persönlich kennen lernte, obwohl das nach 1945 möglich gewesen wäre. Wir standen auf verschiedenen Seiten, aber heute weiß ich, wir hätten uns verstanden.

Vitus Heller hatte einen unerschütterlichen Glauben an Recht und Gerechtigkeit, der sich in ihm ver­mählte mit seinem, aus Familiensinn und Tradition gewach­senen Christentum. Schon bald nach seinem Eintauchen in seine sozialpolitisch und gesellschaftlich motivierte Arbeit, auf dem Hinter­grund seiner Erlebnisse im Volksverein, dann in den blutigen Schlachten des ersten Weltkriegs und dem fragwürdigen Einsatz in der Heimat,  reifte in ihm die Idee des Christlichen Sozialismus, den er schon in den ersten Tagen nach dem Ende des Krieges, als noch alles drunter und drüber ging, in die Tat umzusetzen begann. Alle Erfahrungen seines jungen Lebens, seine intensiven Studien, sein Glaube und seine christlichen Vorbilder Thomas v. Aquin, Franziskus, Leo XIII. mit seiner Enzyklika „rerum novarum“ und Pius XI. mit „quadrogesima anno“ die ihm, wie er überzeugt war, einen Weg zeigten, der den Willen und das Vermächtnis Christi in die­ser Welt des begonnenen 20.Jahrhunderts erfüllen musste, fasste er zusammen. Darü­ber hinaus haben ihm christliche Wissenschaftler und Arbeiter­führer auf seiner Suche nach einer Lösung inspiriert, wie der Sozialethiker. Franz Hitze, der Nationalökonom Heinrich Pesch von der  Sozietas Jesu, der Arbei­terbischof Emanuel v. Ket­te­ler, der Gesellenvater Adolf Kolping.  Das sah er nicht als seine Idee, sondern als Auftrag, dem er sich nicht entziehen durfte.  Damals dachte er nicht im Traum daran, welche Kräfte sich dem entgegenstellen würden, die suchte er eher in der von Marx und Engels geprägten athe­istischen Linken. Die Realität des Katholizismus seiner Zeit, ihre Wider­sprüche und die streng hierarchische Macht der Bischöfe forderten ihn, der darauf überhaupt nicht vorbereitet war, heraus bis zur Ver­zweiflung.

Fast jeder andere wäre umgekehrt. Vitus Heller ist zeit seines Lebens seiner Idee und sich selbst treu geblieben.  Er wich keinen Fingerbreit davon ab. Von 1920 bis zu seinem Tod 1956 war sein Leben Kampf, Entbehrung, Verfolgung und Verletzung. Seine Familie hielt zu ihm, ist alle Wege mit ihm gegangen, hat alle Hindernisse und Verfolgung miterlebt, musste Bösartigkeit, Verachtung und Diffamierung ertragen – für ihren Glauben, für eine zutiefst christliche Idee,  für ihren Mann und Vater, Vitus Heller.  Mit nur wenigen Sätzen habe ich in diesem Buch die Zeit nach 1945 gestreift.  Erste Recher­chen im vorliegenden Material lassen erkennen, dass dieser Abschnitt, in einer gesonderten Arbeit erschlossen werden muss. Für die Erinnerung an Vitus Heller ist das un­umgänglich.

Natürlich brauchte Vitus Heller einflussreiche Menschen, die ihm halfen auf seinem Weg und  er hat sie gefunden:

Der Chefredakteur des fränkischen Volksblattes Monsignore Liborius Gersten­berger hat Vitus schon um die Jahrhundertwende, als er noch zuhause in Tauber­rettersheim lebte, unter seine Fittiche genommen, hat ihn beraten bei seinen Gehversuchen als Reporter, dann als Schrift­steller, hat ihm 1918  zunächst sein „Programm des Christlichen Sozialismus“ zur Verbrei­tung in Deutschland vorfinanziert und dann 1919 bei der Gründung seiner Zeitung „Das Neue Volk“ Pate gestanden, hat ihn vorfinanziert bis er selbst auf eigenen Beinen stehen konnte. Ob das alles ohne ihn möglich gewesen wäre, darf füglich bezweifelt werden.

Der Publizist und Politiker des Zentrums, Reichsfinanzminister, Mathias Erzberger und der ganze  linke Flügel des Zentrums  – förderten  Heller und  seine  Partei auch finanziell, gaben Hilfe zur Gründung der CSP By, das ge­schah 1918 –24, zunächst als  contra zur Gründung der  Bayerischen Volks­partei, die wie auch  der CSU nach 1945, als die christliche Partei in Bayern wieder ihren eigenen Weg ging.. Besonders tragisch ist die Ermor­dung von Mathias Erzberger zu einem Zeitpunkt, als dieser sich entschlossen hatte, für die CSP in Bayern auf öffentlichen Veranstaltungen zu werben.

1919/20  ebnet  auch  Adam Stegerwald  Heller den Weg, finanziert erste Schrit­te zur CSP – Stegerwald wird  Reichsarbeitsminister, später  preußischer Arbeits­minister  Er kann Heller nach dessen Bruch mit dem Zentrum, auf sei­nem Weg nicht folgen, was er 1945 bedauerte.

Und nach 1945 sieht es zunächst besser aus: Am 22.4. 1945 übertragen die US-Militärbe­hör­den Adam Stegerwald das Amt des Regierungspräsidenten. Es steht fest, dass Vitus Heller mit ihm und Josef Müller in München in enger Verbindung stand.  Der Name Christlich Soziale Union, wie auch CDU stehen in Zusammenhang mit der CSRP von damals. In den vielen Reden, die Vitus Heller für die CSU in Würzburg und Unterfranken bestritt, werden die wichtigsten Ziele von damals wieder reklamiert.  Auch das Ahlener Programm der CDU hat diesen Grund­tenor.  Es ist, wenn man diese ganze Geschichte betrachtet, besonders tragisch für Vitus Heller, aber auch für seine Idee, dass zum entscheidenden Zeitpunkt Mathias Erzberger ermor­det wurde, bevor er in Bayern für die CSP in Ver­sammlungen auftreten wollte.  Und am 3. Dezember 1945  stirbt Adam Steger­wald, gerade beim Aufbau der CSU.

Die stärksten Kräfte in Hellers Partei, waren einfache Priester, Studenten und die katholische Jugend. So schrieb Kurt Tucholski schon am 10. November 1925 in der Weltbühne „Zwischen zwei Kriegen“: „Was sich jetzt, hinter den Kulissen, zu verbrüdern beabsichtigt, sind leider nicht die besten Teile der Völker – es sind die schlechtesten: Industrie-Raffer und die Militärs.   Es gäbe andre Kräfte – sogar in Deutschland, wo die radikale Bewegung der Zentrums­jugend unter Vitus Heller zu den bedeutendsten  Erscheinungen gerechnet wer­den muss. Aber das sind erst Keime – ob sie aufgehen, steht dahin. Und Einfluss haben sie bis heute nicht.“

Das Zentrum war bis 1933 die große christliche Partei. 1918 wurde in Bayern die BVP gegründet. Januar 1920 trennt sich BVP vom Zentrum, im September erfolgt die Gründung der CSP/bayerisches Zentrum durch Bayerische Gewerk­schafter. Nachdem die BVP Hellers Programm des Christlichen Sozialismus abgelehnt hatte, trat er der CSP bei und übernahm den Vorsitz.

Im August 1925 wird CSP zur CSRP, dehnt sich über Deutschland aus – wegen Rechtsruck beim Zentrum nach der Ermordung von Erzberger und Rathenau. Nach Freiburg-Erlass der Bischöfe 1929 gegen die CSRP 1931 Umbenennung in ABPD. Arbeiter- und Bauernpartei Deutschlands

 

Und nun: Meinungen über CSP, CSRP  und nach Umbenennung 1931 in ABPD

Es zitieren meine Töchter Uschi und Andi.

Aus:

Das Neue Volk 10. 4. 1926: Zur Grundlage der Idee das Christlichen Sozialis­mus hat  Prof. Wilhelm Hohoff, Paderborn beigetragen. Er war  der erste und einzige Theologe in Deutsch­land, der Teile der Marx’­schen Thesen öffentlich verteidigte und  für Verständigung zwischen Christentum und Sozialismus ein­trat. ( er ist bekannt als der Rote Pastor). Viele Katholiken schlossen sich darauf hin der SPD und den Gewerkschaften an. Einer Aufforderung des Generakvika­riats, dazu Stellung zu nehmen, erwi­derte er: „Ich erkläre hiermit, dass ich Sozialist und Demokrat bin….Ich bin gläubiger katholischer Priester“.  Beein­flusst  wurden durch ihn: Walter Dirks, Heinrich Mertens und Vitus Heller.
Aus:
Schäfer, Franz Josef: „Die Heller-Bewegung an der Saar“ – Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 2008. Er urteilt:

„Bei den Äußerungen Vitus Hellers wird der Theoriemangel über den Sozialis­mus  deutlich, dazu kommen organisatorische, finanzielle und ungezählte prakti­sche Schwierigkeiten, die eine kraftvolle Diskussion mit den viel stärkeren Par­teien ermöglicht hätten – und dass sich Vitus Heller leider selbst und vor allem auch seine Partei sehr stark überschätzte, wenn sie sich als Brücke zwischen den Weltanschauungen der Arbeiterschaft verstehen wollte.  Trotzdem gab es eine Zeit, als es möglich schien, dass sich die CSRP durchsetzen könnte.“


Riesenberger, Dieter: „Die katholische Friedensbewegung in der Weimarer Republik“ : 1932 –   die KPD wurde stärker,
“Diese Katholiken, (die für ABPD und KPD votierten) wählten nicht eine „Dok­trin“, sondern sie stimmten für den radikalen sozialen Protest. Und sie sahen in ihrer Wahlent­scheidung die Op­tion gegen den Faschismus. Diese Wäh­lerwan­derung ist zu verste­hen, weil die Chance, bei den Wah­len eine echte Alternative ins Parlament zu bringen, mit der Stimme für die KPD mehr auszurich­ten war, vor allem, da durch den Klerus die CSRP als der Hauptgegner des Zen­trums hin­gestellt wurde.  Damit insistierte der Klerus:  besser KPD wählen als die CSRP“

“Anders als der Friedensbund Deutscher Katholiken  entwickelte sich die Gruppe um Josef .Kral und Vitus Heller, die in der 1919 gegründeten Wochen­schrift „Das Neue Volk“   über ein eigenes Presseorgan verfügte, zu einer politischen Partei, die als einzige in der Weimarer Republik radikal-pazifistische  Forderun­gen in ihr Programm aufgenommen hat und auch konsequent danach handelte.“

 

Im Spiegel von massiver Aufrüstung mit  Panzerkreuzer und Rechtsruck

schreibt Vitus Heller in  Das Neue Volk: 1.1. 1927:: „Zeit der Wende“

 „Dabei steht an erster Stelle die Über­windung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, da im Kapita­lismus die wichtigste Ursache aller modernen Kriege gesehen wird. Daraus folgt, dass die Beseiti­gung der Zoll­schranken das erste Erfordernis ist, wenn der Friede gesichert werden soll. Kapitalismus und Krieg sind nach Auffassung der CSRP wesenhaft miteinander verbun­den, da der Kapitalismus bei sei­nem Konkurrenzkampf um den Profit den Militarismus zu seinem Schutz und zur Durchset­zung seiner Interessen braucht. Die kapitalistische Wirt­schafts­ordnung mit ihren bestehenden nationalen und politischen Wirtschaftsgrenzen und ihrem Absatzzwang müssen zum Krieg führen. Nach Überwindung der kapitalistischen Wirt­schaftsordnung gelte es, ein einheitliches europäisches Wirtschafts- und Zollgebiet zu schaf­fen und auf dieser Grundlage die Errichtung der Föderativstaaten der „Vereinigte Staaten von Europa“ in Angriff zu nehmen.“

Heute – was erkennen wir heute

Vitus Hellers Arbeit und sein ganzes Leben fordert einen Vergleich zwischen der Republik von Wei­mar und unserer Gegenwart heraus.  Damals entstand die NSDAP – heute, mit den gleichen Pa­ro­len und der gleichen Ignoranz die NPD, z.T. auch die AfD.  Vitus Heller hat den Rechtsruck, von 1924 an, schon vehe­ment bekämpft und den ganzen Aufstieg der Nazis mit allen ihm zur Verfü­gung stehenden Mitteln kritisch begleitet. Er war der einzige Politiker, der real eine Volks­front zusammen zu bringen ver­suchte. Mit seiner „Christlich Sozialen Reichs Partei“ stand er schließlich allein, da sich auch die Hierarchie der Kirche offensiv gegen ihn stellte, was ihn und seine Freunde bewog, ihre Partei beim Parteitag in Würzburg 1931 in „Arbeiter- und Bauernpartei Deutschlands“ umzu­benennen und schließlich, als letzten verzweifelten Versuch mit der KPD und den Linken der SPD die Machtübernah­me der Nazis zu verhindern.

Von Vitus Heller können unsere verantwortlichen Politiker, aber auch wir Bür­ger viel lernen.  Seine oberste Prämisse waren christliche Werte, die heute auf dem Altar des Kapitalismus geopfert wer­den.  Frieden, Gerechtigkeit und Wahr­heit wollte er zur Grundlage des öffentli­chen, wie des priva­ten Lebens beschwö­ren. In seiner Zeitung „Das Neue Volk“ hat er von 1919 – 1933 Wege gewiesen und schon nach kurzer Zeit vor allem viele Mitglieder aus der katholischen Ju­gend, junge Priester und Stu­denten um sich geschart.  Die CSRP war die ein­zige Partei, deren Funktionäre und Wahlkreis­kandidaten den Kriegsdienst verweiger­ten, nicht nur den Wehrdienst.

In seinen Erinnerungen sagt Vitus Heller: „ Dieses unbedingte Gottvertrauen war die stärkste Kraft meiner Lebensarbeit“.  Auch in dem gerade verflossenen Wahlkampf haben  wir Worte  wie christl­iche Werte, Gerech­tigkeit, Frieden, Einheit zu lesen bekommen. Vitus Heller aber sagte 1928: „Die Tat wäre das Neue. Nicht die Theorien fehlen, aber das Tun.“.  Seit  1945 warten wir darauf, dass Lehren aus der Vergangenheit gezogen werden.  An Deklamationen, Beteu­e­run­gen und Versprechen fehlt es nicht.  Parteiprogramme stehen voll davon, was Art. 20 GG  verspricht: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Ab­stimmungen… aus­geübt.“  Die Taten fehlen, den Worten Inhalt zu geben. Wir sehen, dass das Volk nur wählen darf.  Es kann nicht abstim­men, kann keine Gesetzesvor­schläge einbringen. Wir sehen, dass Wahlversprechungen stän­dig gebrochen wurden.  Wir sehen, dass selbst das Parlament oft nur Staffage ist. Und wir sehen als unmittelbare Folge dessen, den Wahlerfolg der AfD. Die Blinden sehen das nicht.
Der Kampf von Vitus Heller für Frieden, Gerechtigkeit, Gleichheit und Wahr­heit zeigt ganz deut­lich Parallelen zur Situation 2017.  1933 kam die Not und auch noch der Börsenkrach, der die ganze Welt erschütterte dazu und führte mit Hilfe der Kapitalisten zu Hitler. Eine solche Ent­wicklung ist auch bei den Schul­denbergen des  real existierenden Kapitalismus zu erwar­ten. Deshalb kommt dieses Buch zur rechten Zeit.  Noch einmal nachzulesen, wie das damals war und abzuschätzen, ob man aus der Geschichte lernen kann.

Gedanken
Bei der CSRP war eine Verbindung von naturrechtlich-moraltheologischer Be­gründung der absoluten Kriegsdienstverweigerung und antikapitalistischen Kampfhaltung vorherrschend. Die Forderung nach unbedingter, organisierter Kriegsdienstverweigerung  begründete sie mit  der naturgesetzlichen Sündhaf­tigkeit, also Unsittlichkeit und daher Unerlaubtheit des Krieges.  Die CSRP be­wies Konsequenz, wenn sie bei der Kandidaten-Aufstellung nur Kriegsdienst­ver­wei­gerer aufstellte.

Eine gewaltige Aufgabe, die sich Heller da  gestellt hat.  Für sich und seine Par­tei, die man der Ein­fachheit halber – deutschlandweit – die Heller-Partei nannte.  Er war Selfmademan, und das auf allen Gebieten, hatte keine praktische Erfah­rung in der Politik, in der Verwaltung, im Finanzwesen, in der Gesetzgebung.  Er hatte nur seine Vision, seinen unerschütterlichen Glauben, der ihm ein Sen­dungsbewusstsein gab, das ihn schließlich dazu verführte, sich auch unfehlbar in seinen Zielen und Taten zu fühlen.  Große Persönlichkeiten des politischen Le­bens, der Sozialwissenschaften, des Klerus haben ihn unterstützt, ihn ermuntert und gefördert.  Er sah sich ohne Fehl und Tadel, hatte vor niemanden Angst, ging seinen Weg unbeirrt.  Das hat aber schließlich dazu geführt, dass er alles am Wegrand liegen ließ, was er nicht brauchte, was seinem Ziel im Wege oder hinderlich war.

Zitate zum christlichen Sozialismus:

Zum Standpunkt der christlichen Soziallehre finden wir:

In Erwin Stindl: „Mater et magistra“ und „100 Worte Soziallehre“: beide Hefte im Naumann-Verlag 1965 bzw. 1966 erschienen,  mit Texten und Interpreta­tio­nen der christlichen Sozial­lehre :  über Kapitalismus  lesen wir:

“… Zwischen christlicher Soziallehre und Kapitalismus kann es keinen Aus­gleich geben.  „Sozialkapitalismus“, „Volkskapitalismus“ sind in diesem Zu­sam­men­hang nur missverständ­liche Begriffe, die entweder den Kapitalismus nur kaschieren oder christlichem Ge­dankengut einen anderen Namen geben sollen.  Erst wenn es gelungen ist,  die Wurzel des Kapita­lismus aus dem modernen Wirtschaftsleben ausgerottet zu haben,  wird sich das Christentum einer Tat rühmen dürfen, wie etwa der Abschaffung der Sklaverei oder der Leibeigen­schaft.  Gerade mit diesen beiden historischen Erscheinungen hat ja der Kapita­lismus nach dem über­einstimmendem Urteil der Sozialpäpste Leo XIII., Pius XI. und Johan­nes XXIII. erschreckend viel gemeinsam..“

 

Leo XIII: in „Rerum novarum“: „Für den Kapitalismus ist typisch, dass infol­ge der ihm innewohnenden  seelenlosen Mechanik die Reichen immer Reicher und die Armen immer ärmer werden. Ein kapitalistisches System hat aus sich heraus nicht die Kraft, diese zum sicheren Zusam­menbruch führende Entwick­lung zu ändern.“

„Den Menschen, nicht das Kapital, nicht das Produktionsziel wieder in den Mittelpunkt den Wirtschaftens stellen. Die Wirtschaft muss sich wie­der als ein Teil der Gesellschaft begreifen und nicht als ihr Herr.“

„Das Kapital ist die Grund­lage jeder Zivilisation, aber es ist ohne das Subjekt Mensch und das Objekt  Natur – nichts.“

Pius XI in „Quadrogesimo anno“ : „An die Stelle der freien Marktwirtschaft trat die Vermach­tung der Wirtschaft. Das Gewinnstreben steigerte sich zum zügel­losen Machtstreben.  Dadurch kam in das ganze Wirtschaftsleben  eine furcht­bare, grauenerregende Härte.“

 

Es gibt keinen Zweifel daran, dass Vitus Heller um  Erfahrun­gen reicher 1945 weiter machen wollte, und gemeinsam mit Adam Stegerwald, der ihm schon 1919 zunächst ermuntert und unterstützt hatte, die CSU gegründet hat. Er war auch mit Josef Müller (Ochsensepp genannt) in München über den künftigen Kurs einig.  Ähnliche Bestrebungen, bei denen mit Sicherheit auch Parteifreunde Hellers dabei waren, gab es auch in den anderen Besatzungszo­nen, wie das Ahlener Programm der CDU zeigt, wo die Grundforderungen der Hellerpartei wohl auch Pate gestanden haben. Der frühe Tod Adam Stegerwalds am 3.Dezember 1945  war tragisch und bewog Vitus, doch noch eine eigene Partei anzustreben.  Die Militärregie­rung gab keine Zustimmung dazu.
Nachlese

Als ich mit meinen Aufzeichnungen bis in die 50erJjahre gekommen war, glaubte ich, dass die große Idee des Christ­lichen Sozialismus mit dem Scheitern in der BRD endgültig zu Grabe getragen war. Aber ich irrte mich. Zunächst wurde versucht, wahrscheinlich sogar von Freunden Hellers aus der CSRP oder der ABPD in der Sowjetischen Besatzungszone, dann in der DDR wo Gerald Götting, Paul Gerhard Braune und Paul Verner antraten, diese Gedanken­welt politisch, aber auch literarisch weiter zu tra­gen. Das dokumentieren ihre Schrif­ten mit Titeln wie: 1960 – Der Christ sagt ja zum Sozialis­mus, 1963 – Der Christ beim Aufbau des Sozi­a­lismus,  1967 – Christliche Bewährung im Sozia­lismus, 1974 – Chris­ten und Marxisten in gemein­samer Verantwortung.  Noch vor der westdeutschen wur­de die Ost-CDU im Juni 1945 gegründet. Und sie versuchten und glaubten zunächst offenbar auch ernsthaft, einen Christ­lichen Sozialismus in der Sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR ver­wirk­lichen zu können.  Es ist die Tragik dieser Idee, dass sie in beiden Aus­formungen im Westen die Kirchen und im Osten die Kommunisten zum Gegner hatten.  Das lässt hoffen, dass das große Vermächtnis des Jesus von Nazareth vielleicht doch noch einmal zur Grundlage einer Welt­frie­densmission werden könnte oder die Friedensfreunde aus aller Welt zusammenführt..

 

 

 

 

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