Wer wird für die Verbrechen in der Aleppo-Provinz Hassajek bezahlen oder kommt der Westen wieder ohne Bestrafung davon wie in Afghanistan?

Ein interessanter Artikel der sich noch einmal dieses Thema`s annimmt:  http://humanistenteam.info/blog/2016/10/bombenangriff-auf-hassajek-wo-ist-der-medienaufschrei-nach-aufklaerung-und-kriegsverbrechen-im-westen/

Wer wird für die Verbrechen in der Aleppo-Provinz bezahlen?

Von Martin Berger, 24.10.2016

http://journal-neo.org/2016/10/24/who-is-going-to-pay-for-the-crimes-in-the-aleppo-province/

Die westlichen Medien kriegen sich für gewöhnlich gar nicht mehr ein, wenn Moskau und Damaskus im Kampf gegen radikale Islamisten in Syrien etwas unternehmen. Aber als belgische Kriegsjets am 18. Oktober das kurdische Dorf Hassager in der Provinz Aleppo angegriffen haben, da wurden sie plötzlich ganz still.

Mehr als eine Woche lang hat Brüssel versucht, die Tatsache zu verleugnen, dass zwei F-16 mit der traditionellen belgischen Bemalung in Syrien ein Kriegsverbrechen begangen haben. Und das trotz der Tatsache, dass Moskau dem belgischen Militär und belgischen Politikern Beweisdokumente lieferte, dass zwei belgische Jets in diesem Gebiet operierten, nachdem sie von dem Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti (Al-Azraq Air Base) in Jordanien gestartet waren. Die Jets flogen über den Irak und flogen um 02:37 morgens in den syrischen Luftraum ein, etwa 70km nordöstlich der Berge bei Deir Ezzor. Dort wurden sie von einem US Stratotanker KC-135 in der Luft betankt. Um 03:35 begann die Bombardierung des Dorfes Hassager, und nach einer weiteren Luftbetankung um 04:19 flogen sie Luftpatrouille im Norden Aleppos.

Mit seiner Weigerung, die Beteiligung seiner F-16-Jets beim Angriff am 18. Oktober zuzugeben, zeigt Brüssel seine Unfähigkeit, die Handlungen seines Militärpersonals zu kontrollieren.

Bei der Identifizierung dieser beiden Flugzeuge konnte es keinen Fehler geben, denn beim Eintritt in einen Radarbereich wird jedes Flugzeug mit seinen speziellen Kennzeichen identifiziert und die Daten werden in einer speziellen Datenbank gespeichert. (Anm.d.Ü.: Voraussetzung hierfür ist ein eingeschalteter Transponder, und auf dem besteht die russische Luftwaffe. Man erinnere sich an die Drohungen des Sprechers des russischen Verteidigungsministeriums bezüglich nicht identifizierter Flugobjekte.) Dadurch wird von jedem Flugzeug ein Profil erstellt das man mit keinem anderen Flugzeug verwechseln kann. Daher kann jedes Flugzeug in Syrien, das in den Abtastbereich gelangt, sofort identifiziert werden. Und da diese beiden Jets wiederholt syrischen Luftraum beflogen, so behaupten russische Vertreter, konnten sie sofort feststellen, dass diese Jets von der belgischen Luftwaffe stammten.

Belgische Politiker haben wiederholt die Beteiligung der belgischen Streitkräfte an den illegalen Operationen der USA in Syrien in Frage gestellt. Es kann daher sein, dass das Weiße Haus und das Pentagon beschlossen haben, diese belgischen Politiker, die durch die Verluste ihrer Soldaten und Offiziere in einem fremden Land (wegen spezieller US-Interessen) angewidert waren, „mit unschuldigem Blut in Verbindung zu bringen“. Belgische Piloten auf so eine barbarische Mission zu schicken ist aus der Sicht Washingtons ein besonders relevanter Schritt, denn es wird zunehmend offensichtlicher, dass die von syrischen Armeetruppen in Ost-Aleppo eingeschlossenen ISIS-Milizen nicht mehr lange werden weiterkämpfen können. Aber die USA wollen sie immer noch retten – denn die Befreiung Aleppos wäre ein großer Sieg für die syrische Regierung und Bashar al-Assad. Darum haben Washington, Paris, Brüssel und andere Hauptstädte von NATO-Ländern Russland und Syrien damit gedroht, die andauernden Luftangriffe in Aleppo als „Kriegsverbrechen“ anzuklagen. Und der Vorsitz der EU-Außenminister hat beim Treffen des EU-Rats zu Syrien am 17. Oktober darauf gedrängt, dass der Westen die „Kriegsverbrechen in Syrien“ vor den Internationalen Strafgerichtshof bringen soll.

Aus diesem Grund kann man nur den Kopf schütteln über das Fehlen einer jeglichen angemessenen Einschätzung der Angriffe der belgischen Luftwaffe am 18. Oktober. Nichts aus Washington, aber auch nichts von der EU.

Vielleicht haben EU-Politiker gedacht, die Angriffe wären von den Briten und nicht von den Belgiern geflogen worden. Denn dann hätten sie für diese Taten nicht die Verantwortung tragen müssen. (Anm.d.Ü.: Sind denn die Briten nicht mehr Teil der EU?) Oder kann es sein, dass Brüssel noch keine Instruktionen aus Washington erhalten hat? Denn sie sind es offenbar nicht gewöhnt, ohne Washington eine offizielle Stellungnahme abzugeben.

Es besteht auch die Möglichkeit, dass Washington und Brüssel durch ihr Schweigen über ihre Kriegsverbrechen der Welt zeigen wollen, dass sie immer noch ungestraft handeln können, so wie damals in Libyen, im Irak und einer Reihe anderer Länder. Dann sieht es so aus als würde sich diese Tradition fortsetzen, denn in der Nacht des 18. Oktobers hat die Luftwaffe der USA einen dicht besiedelten Teil der irakischen Stadt Mosul angegriffen, und gleichzeitig wurde die Stadt von US-Alliierten mit Splitterbomben und Brandbomben beschossen. Wir haben bereits Videomaterial über einen zerbombten Kindergarten in der Stadt Tal Afar, westlich von Mosul. Und dazu haben wir haufenweise Bilder in den Sozialen Netzen über die Gräueltaten der von den US-unterstützten Milizen.

Wer also wird für die zivilen Opfer in Hassager bezahlen?

Washington, das bereits eine Kompensation an die Familie des italienischen Bürgers Giovanni Lo Porto bezahlte, der von einer US-Drohne getötet wurde?

Oder die belgischen Behörden oder die EU?

Was glauben Sie?

Und wird es irgendwann einmal bei den Taten europäischer und amerikanischer Politiker so etwas wie Objektivität geben? Oder muss man zu diesem Zweck das gesamte regierende politische Establishment im Westen auswechseln?

 

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